Mikronährstoffbedarf in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an einigen Vitaminen und Mineralstoffen an. Dieser Mehrbedarf kann größtenteils durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gedeckt werden. Auf bestimmte Mikronährstoffe sollten Schwangere allerdings ein besonderes Augenmerk legen. Dazu gehören zum Beispiel das Vitamin Folat und das Spurenelement Jod.
Folat
Den vorhandenen Daten aus der Externer Link:Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) zufolge ist die erwachsene Bevölkerung in Deutschland insgesamt gut mit Folat versorgt. Frauen im gebärfähigen Alter erreichen allerdings bei Weitem nicht die Folatkonzentrationen, die laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nötig sind, um das Risiko für die Entstehung von Neuralrohrdefekten (NRD, auch als Spina bifida oder „offener Rücken“ bezeichnet) beim Kind zu reduzieren. Darunter versteht man Fehlbildungen, die aus einem unvollständigen Verschluss des Neuralrohrs während der kindlichen Entwicklung im Mutterleib resultieren.
Um das Risiko für Neuralrohrdefekte zu reduzieren, wird empfohlen, dass Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, und Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel ihre Ernährung durch Folsäurepräparate (400 Mikrogramm pro Tag) ergänzen. Unabhängig davon sollte insbesondere in der Schwangerschaft, aber auch in der Stillzeit auf eine folatreiche Ernährung geachtet werden. Denn Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf an diesem Vitamin. Externer Link:Referenzwerte für die empfohlene Folat-Zufuhr sind bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu finden.
Jod
Jod zählt zu den essenziellen Spurenelementen, die mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Es wird zum Aufbau von Schilddrüsenhormonen benötigt, die eine zentrale Aufgabe bei der Regulation wichtiger Stoffwechselvorgänge haben. Unter anderem sind sie für das Wachstum und die gesunde Entwicklung von inneren Organen, Nervensystem, Kreislauforganen und Muskulatur des Kindes – auch schon vor der Geburt – notwendig. Die Externer Link:DGE empfiehlt für Schwangere eine Jodzufuhr von 220 Mikrogramm pro Tag (statt 150 Mikrogramm pro Tag für sonstige Erwachsene).
In Deutschland hat sich die Jodversorgung seit Mitte der 1980er Jahre verbessert. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen jedoch, dass die Versorgung noch nicht optimal und seit einigen Jahren sogar wieder rückläufig ist. Schwangere und auch Stillende haben aufgrund ihrer besonderen Stoffwechselsituation einen erhöhten Jodbedarf. Sie sollten nach Rücksprache mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt zusätzlich zu einer Ernährung mit natürlicherweise jodreichen und mit Jodsalz hergestellten Lebensmitteln sowie der Verwendung von Jodsalz im Haushalt auch Jod in Tablettenform in einer Dosis von 100 bis 150 Mikrogramm pro Tag einnehmen. So lassen sich das Risiko einer Jodunterversorgung und die möglicherweise daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind verringern.
Veröffentlichungen zum Thema
Eisen
Der Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft, weil der Mineralstoff für die Blutbildung, die Plazenta und für das Wachstum des ungeborenen Kindes benötigt wird. Für Externer Link:Schwangere empfiehlt die DGE eine Eisenzufuhr von 27 Milligramm pro Tag (statt 16 Milligramm pro Tag für nichtschwangere Frauen). Ein Eisenmangel in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für eine Frühgeburt und ein geringes Geburtsgewicht. Dennoch gibt es keine generelle Empfehlung für die Einnahme von Eisensupplementen in der Schwangerschaft, da eine zusätzliche Eiseneinnahme bei bereits gut versorgten Schwangeren ebenfalls gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind mit sich bringen kann. Deshalb wird bei den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft individuell labordiagnostisch überprüft, ob eine Supplementierung von Eisen notwendig ist.
Langkettige Omega-3-Fettsäuren
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, zu denen u. a. die Docosahexaensäure (DHA), aber auch Eicosapentaensäure (EPA) und α-Linolensäure (ALA) gehören, sind wichtig für die Entwicklung des Kindes. Während DHA hauptsächlich in fettreichem Meeresfisch enthalten ist, findet sich ALA in bestimmten Pflanzenölen (z.B. Raps-, Leinöl), Nüssen und Samen. Externer Link:Die DGE empfiehlt Schwangeren eine Zufuhr von mindestens 200 Milligramm DHA pro Tag. Diese kann durch den Verzehr von 1-2 Portionen fettreichem Meeresfisch wie Makrele, Hering oder Lachs pro Woche erreicht werden. Allerdings kann sich in einigen Fischarten, insbesondere Raubfischen (z. B. Thunfisch, Schwertfisch, Seeteufel, Heilbutt, Barsch oder Seehecht), Methylquecksilber (die organische Form des Quecksilbers) über die marine Nahrungskette anreichern. Externer Link:Daher sollten Schwangere diese Fischarten meiden. DHA kann im Körper auch aus ALA gebildet werden. Die Eigensynthese ist jedoch zu gering, um die Versorgung mit DHA in der Schwangerschaft sicherzustellen. Schwangere, die wenig oder keinen fettreichen Fisch essen, sollten daher in Absprache mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin ein Supplement mit DHA einnehmen.
Mehr Informationen zu Gesundheit in Schwangerschaft und Stillzeit
- Informationen beim BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Externer Link: Risiken erkennen, Schwangere schützen
- Informationen beim Netzwerk Gesund ins Leben Externer Link: Netzwerk Gesund ins Leben
- Ernährungstipps bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Externer Link: Handlungsempfehlungen - Ernährung in der Schwangerschaft
Vitamin D
Das Ungeborene benötigt Vitamin D für eine gesunde Entwicklung. Es bekommt das Vitamin von der Mutter, die auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung – insbesondere durch körpereigene Synthese – angewiesen ist. Schwangere haben im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung keinen höheren Vitamin D-Bedarf. Der Bedarf lässt sich in den Sommermonaten durch regelmäßigen Aufenthalt bzw. Bewegung bei ausreichender Sonnenstrahlung an der frischen Luft decken. Dafür wird empfohlen, mehrmals in der Woche etwa ein Viertel der Körperoberfläche (Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen) je nach Hauttyp und Jahreszeit 5 bis 25 Minuten unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen. Ein Sonnenbrand sollte dabei grundsätzlich vermieden werden. In den Wintermonaten reicht die Eigensynthese nicht aus; allerdings speichert der Körper Vitamin D im Fett- und Muskelgewebe und kann es zur Versorgung im Winter durch körperliche Aktivität wieder freisetzen. Ein Nutzen einer generellen Vitamin D-Supplementierung in der Schwangerschaft ist wissenschaftlich nicht belegt.
Vitamin A
Die für Deutschland derzeit vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass die Bevölkerung, also auch Schwangere und Stillende, ausreichend mit Vitamin A versorgt ist. Schwangere haben im Vergleich zu nichtschwangeren Frauen nur einen geringfügig höheren Bedarf an Vitamin A, während sich der Bedarf – und damit auch die von der Externer Link:DGE empfohlene Zufuhr – in der Stillzeit stärker erhöht. Andererseits ist vor allem in den ersten Monaten der Schwangerschaft eine exzessiv hohe Vitamin-A-Zufuhr, insbesondere über Nahrungsergänzungsmittel, mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verbunden. Aus diesem Grund wird Schwangeren empfohlen, auf den Verzehr von Leber, insbesondere Schweineleber, zu verzichten, da diese zum Teil sehr hohe Mengen an Vitamin A enthält. Auch sollten Schwangere (und Kleinkinder) beim Verzehr von leberhaltigen Produkten sehr zurückhaltend sein. Vitamin A-Supplemente sollten in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
Besondere Vorsicht
Schwangere sollten noch mehr als andere Verbraucherinnen und Verbraucher zurückhaltend bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sein. Einer zusätzlichen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte immer eine ärztliche Beratung oder Empfehlung vorausgehen. Von einer eigenständigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, frei verkäuflichen Arzneimitteln oder scheinbar harmlosen Naturpräparaten sollten insbesondere Schwangere absehen. In den meisten Fällen lässt sich der Bedarf an wichtigen Mikronährstoffen mit einer abwechslungsreichen, gesunden Ernährung decken. Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten auch wenig bekannte, teils exotische Inhaltsstoffe, deren Wirkungen häufig nicht gut untersucht sind, insbesondere nicht mit Blick auf Schwangere und das ungeborene Kind. Mehr Informationen dazu finden sich auf der Seite zu Externer Link:Sonstigen Stoffen.
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